Aktuelles aus dem EZETTHERA

EZETTHERA Newsletter Mai 2026

Den, der dir helfen konnte, zu vergessen, ist dasselbe wie ihn verachten.
Aus Kenia

  • Tanztherapie, Bewegungsanalyse, Fortbildung
  • Meine Gedanken dazu sind wie immer am Ende des Newsletters...

    Liebe Tanz- und Therapieinteressierten,

    wir bieten mit unseren Angeboten vielfältige Hilfe an, die zur Selbsthilfe befähigt, durch größere persönliche oder berufliche Kompetenz. Ich wechsel im Monat Mai die Hilfsseite. Nach meiner Knie-OP am Montag werde ich nicht nur auf Krücken, sondern auch auf Hilfe angewiesen sein. Für mich immer kein leichtes, aber spannendes Lernfeld.

    Inhalt des Newsletters:

    1. Seminare und Workshops
    2. Kurse
    3. Tanztherapie Podcast

    1. Seminare und Workshops

    Seminare 2027

    1. Kurse 

    Online-Kurse

     

    3. Tanztherapie-Podcast

    Der Tanztherapie-Podcast von Wiebke Würdig wächst weiter. Es lohnt sich also reinzuhören. Der Podcast erscheint zweiwöchentlich, immer donnerstags.  
    Hier könnt Ihr den Podcast hören: YouTube und Deezer oder Spotify und Apple Podcast
    Folgt auch dem Podcast-Instagram-Profil, dort wird über neue Folgen usw. informiert: Instagram

    ...Hilfe anzunehmen ist für viele Menschen eine der schwierigsten Herausforderungen. Wer um Unterstützung bittet oder sie annimmt, macht sichtbar, dass etwas nicht allein gelingt: eine Aufgabe, eine Entscheidung, ein Übergang, eine Krise, eine körperliche Einschränkung. Wir alle wissen, dass wir aufeinander angewiesen sind, aber gleichzeitig gilt Unabhängigkeit als ein hohes Gut.
    Schon im Alltag zeigt sich: Kaum etwas entsteht vollständig allein. Sprache, Wissen, berufliche Fähigkeiten und sogar Selbstbild werden in Beziehungen geformt. Wir vergessen schnell, das Hilfe anzunehmen kein Sonderfall ist, sondern ein Normalmodus menschlichen Handelns. Wer Unterstützung erhält, kann Ressourcen bündeln: Zeit, Erfahrung, Kraft und Perspektiven. Das gilt im Kleinen (eine Rückfrage an Kolleginnen und Kollegen) ebenso wie im Großen (Begleitung in Krankheit oder Trauer).
    Zugleich ist Hilfe nie nur funktional, sondern immer auch Beziehungsgeschehen. Wer hilft, bietet nicht nur eine Leistung an, sondern Anerkennung und Zugehörigkeit: Wer Hilfe annimmt, sieht, dass der andere damit ausdrückt: „Du bist mir wichtig.“ In diesem Sinne kann das Annehmen von Hilfe selbst eine Form des Gebens sein – nämlich das Geben von Vertrauen und Nähe.
    Es gibt leider nur einige emotionale Hürden, die das Annehmen von Hilfe erschweren. Da ist zum einen die Scham. Das Selbstbild lässt eine Bedürftigkeit nicht zu und erlebt Hilfebedarf schnell als Beweis von Unzulänglichkeit. Aus Scham wird dann Vermeidung: Man trägt zu viel allein, verschiebt Entscheidungen oder hält Probleme verborgen, bis sie größer werden.
    Auch Stolz kann das Annehmen von Hilfe blockieren. Wer lange gelernt hat, sich auf sich selbst verlassen zu müssen, verbindet Autonomie mit Sicherheit. Hilfe anzunehmen wirkt dann wie Kontrollverlust – als würde man die eigene Lage in fremde Hände legen, was bei massiver Hilfsnotwendigkeit auch zutrifft. Hinzu kommen manchmal negative Erfahrungen: Hilfe, die beschämte, bevormundete oder später „in Rechnung gestellt“ wurde, macht misstrauisch gegenüber zukünftiger Unterstützung.
    Ob Hilfe angenommen wird, hängt nicht nur von der Persönlichkeit ab, sondern von den vermittelten Normen. Hat jemand Sätze wie „Reiß dich zusammen“, „Du schaffst das schon“ oder „Belaste niemanden“ verinnerlicht, tut er oder sie sich schwer Hilfe anzunehmen. 
    Hilfe wird leichter annehmbar, wenn klar ist, welche Art von Unterstützung gebraucht wird. Manchmal geht es um konkrete Entlastung (jemand übernimmt eine Aufgabe), manchmal um Expertise (jemand erklärt), und manchmal um emotionale Begleitung (jemand hört zu, bleibt da). Missverständnisse entstehen häufig, wenn eine Person praktische Lösungen anbietet, während die andere vor allem verstanden werden möchte – oder umgekehrt.
    Hilfe anzunehmen ist eine Kompetenz. Sie verbindet Selbstwahrnehmung („Ich merke, dass ich an eine Grenze komme“) mit Kommunikation („Ich kann das benennen“) und mit Beziehungsarbeit („Ich kann Vertrauen zulassen“). Hilfe anzunehmen ist deswegen ein paradox wirkender Akt: Er zeigt Verletzlichkeit und schafft zugleich Stärke. Wer Unterstützung zulässt, erweitert den eigenen Handlungsspielraum, schützt Ressourcen und vertieft Beziehungen. So wird das Annehmen von Hilfe nicht zum Gegenstück von Selbstständigkeit, sondern zu ihrer Voraussetzung: Denn echte Autonomie entsteht nicht im Alleingang, sondern in tragfähigen Verbindungen.

    Viele Grüße

    Susanne Bender

    Eingetragen am 30.04.2026

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